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Die Beschaffenheit meiner Gedanken

Bin ich als Einzelner in dieser Gesellschaft hilflos und wehrlos? Bin ich ausgeliefert und ohnmächtig? Bin ich das Opfer der Gesellschaft, der Politik, der Mächtigen, der Eliten? Bin ich ein Opfer?

 

Ich fühle mich der Willkür von Mächtigen ausgeliefert, ja. Ich fühle mich wehrlos gegen die Politik, auch das. Und manchmal denke ich auch hilflos zu sein, ohnmächtig sogar, tatsächlich. Aber stimmt das? Sicher, an den großen Rädern kann niemand hier unten drehen, die großen Räder werden anderenorts bewegt. Aber bedeutet das wirklich, dass wir hilflos sind und ausgeliefert?

 

Wenn unser Leben, unsere Gesundheit, unsere körperliche Unversehrtheit gefährdet ist, löst das Stress aus. Das gilt auch für unsere persönliche Integrität, unsere psychische Unversehrtheit, unser Selbstwertgefühl. Unser Körper macht da praktisch keinen Unterschied und reagiert immer mit Stress. Handlungsunfähigkeit in einer als bedrohlich empfundenen Situationen löst auf körperlicher Ebene verschiedene Stressreaktionen aus, die unter anderem dadurch wieder gedämpft werden können, dass wir Lösungen finden, also Auswege oder Ideen zur Veränderung der Situation. Wenn diese Strategien funktionieren, werden zukünftige Gegebenheiten dieser Art als erheblich weniger stressig wahrgenommen bis sie schließlich zur Routine werden und gar keine Stressreaktion mehr auslösen.

 

Wenn wir an den Umständen, an der stressauslösenden Situation tatsächlich nichts ändern können - also hilflos oder wehrlos sind - bedeutet das aber nicht zwingend, dass wir ohnmächtig sein müssen. Es geht nämlich immer darum, wie wir die Situation bewerten, also für wie gefährlich wir die Lage halten. Das macht sich das systematische Stressmanagement dadurch zunutze, dass man sich die Situation hinsichtlich ihrer Bedrohlichkeit genauer ansieht. Oft ist eine Verminderung des Stressempfindens möglich, wenn die Bedrohung relativiert werden kann. Aus der Katastrophe wird dann beispielsweise ein Problem. Aus dem Problem eine Herausforderung. Aus der Herausforderung eine Aufgabe.

 

Betrachte ich meine Situatuion aus der Sicht des Stressmanagement-Trainers, dann bieten sich viele Ansätze für Veränderungen der Perspektive.

 

Beispielsweise die "Pandemie". Ist die "pandemische Ausbreitung" von SARS-Cov-2 eine Bedrohung für meine Gesundheit,  bedroht mich das Virus? Ja, natürlich bedroht mich der Virus potentiell, nach allem was wir wissen, ist der Virus für einige Menschen sogar sehr gefährlich, für einige wenige Menschen. Für sehr wenige Menschen stellt der Virus eine tödliche Gefahr dar, insbesondere für alte Menschen mit Vorerkrankungen. Diese Menschen sind bedroht. So wie sie bedroht sind durch viele andere Gefahren für ihre Gesundheit, sehr viele andere Gefahren. Diese Gefahren werden aber anders bewertet, sie werden verdrängt oder ignoriert. Deshalb gefährden sie nicht anders, aber sie stressen nicht mehr so intensiv. Wenn aber jemand jeden Tag erzählt, dass diese Gefahren existieren und ich durch sehr viele Informationen immer wieder darauf aufmerksam gemacht werde, dass meine Gesundheit bedroht ist, dann löst das Stress aus. Dagegen könnte ich etwas tun.

 

Dazu wäre es notwendig, sich der stressauslösenden Bedrohung bewusst zu werden und sie dann möglichst objektiv zu prüfen. Ich könnte die vorliegenden Informationen und Gefahren systematisch erfassen, einordnen, relativieren, bewerten und neu einschätzen. Ist der Corona-Virus wirklich so ansteckend, wie behauptet wird? Ist er für die Erkrankten tatsächlich so gefährlich, wie behauptet wird? Die Gefahren durch viele andere Erkrankungen stressen mich nicht in meinem Alltag, obwohl sie möglicherweise erheblich konkreter sind und wahrscheinlicher eintreten. Warum ist das so? Wenn mir eine Grippe keinen Stress macht, warum macht mir Covid-19 Stress, was genau macht den Unterschied? Wenn ich vor Verkehrsunfällen, Blitzschlägen, Bakterien, Pilzen, Infarkten, Krebs u.s.w. keine oder nur wenig Angst habe im alltäglichen Leben - warum dann die Angst vor Covid-19? Wenn ich demnächst für ein paar Tage in ein Krankenhaus muss - sollte ich mir dann Sorgen machen wegen Covid-19 oder wegen der dort möglicherweise lauernden multiresistenen Keime? Ich kann mir alle möglichen Gefahren für meine Gesundheit vorstellen und mir dadurch selbst Stress machen. Oder auf dem Teppich bleiben. Und prüfen, was ich höre. Und hinterfragen, was ich lese. Und infrage stellen, was ich sehe. Denn die Informationen sind alle verfügbar, teilweise auch ganz leicht zu finden bei den offiziellen Stellen und direkt an den Quellen. Es kommt immer auf die Darstellung an und auf die Bewertung. Eine Alternative könnte beispielsweise auch darin bestehen, sich weniger Sorgen zu machen und dadurch Vertrauen zu entwickeln. Vertrauen in die eigene Vernunft. Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Gefahren einzuschätzen und zu bewerten. Vertrauen in die körpereigenen Abwehrkräfte, in das eigene Immunsystem.

 

Ich könnte ja auch die Medien ignorieren, wenn ich könnte. Aber ein Teil von mir kann nicht ignorieren, was da für eine Panikmache läuft. Was nützt es mir, wenn ich verstehe, dass die Bedrohung für mich ganz persönlich nicht exorbitant hoch ist und auch andere Menschen nicht unbedingt sehr viel gefährderter sind als durch andere Erkrankungen. Was nützt es mir, zu wissen, das die Bedrohung so neu und so gefährlich gar nicht ist. Was nützt es mir, meinen Stress hinsichtlich der Krankheit zu verringern, wenn mir dann die Maßnahmen der Politik und die Berichterstattung Stress machen? Wenn mir die Sorge um unsere Gesellschaft Stress macht? Wenn mir die Befürchtungen über die zukünftigen Entwicklungen Stress machen? Wenn gesellschaftlich und wirtschaftlich und sozial alles den Bach hinunter zu gehen droht?

 

Muss ich das hinnehmen, darunter leiden und mich hilflos fühlen, ausgeliefert und ohnmächtig? Bin ich also nun als Einzelner in dieser Gesellschaft hilflos und wehrlos? Ich fühle mich manchmal tatsächlich so. Aber dann erinnere ich mich daran, dass ich etwas verändern kann; in mir selbst kann ich immer etwas verändern. Denn ich habe die Freiheit, selbst zu denken und die Macht, über meine Gedankenwelt zu herrschen. Das Glück meines Lebens wird, wie Marc Aurel gesagt haben soll, von der Beschaffenheit meiner Gedanken bestimmt. Mein Leben ist das Produkt meiner Gedanken.

 

Ich bin im Besitz einer absoluten Macht. Macht über meine Gedanken. Macht über meine Ideen. Macht über mein Verhalten, über meine Wahrnehmungen. Ich kann immer Macht darüber ausüben, was mich auf welche Weise beeinflußt. Und dieses Gefühl der Macht ist ein gutes Gefühl. Nicht Andere bestimmen meine Gemütslage. Ich bestimme meine Gemütslage. Nicht Andere verändern mein Leben, die Anderen können lediglich die äußeren Umstände verändern, die äußeren Bedingungen, die Gegebenheiten. Aber ich bestimme, ob dadurch mein Leben verändert wird. Denn das Glück meines Lebens hängt von der Beschaffenheit meiner Gedanken ab. Ich habe immer eine Wahl, mich so oder so zu positionieren. Wenn ich mich daran erinnere, wenn mir das bewusst wird, dann fühle ich mich nicht mehr hilflos oder ausgeliefert oder ohnmächtig. Dann fühle ich mich stark und in der Lage, dem Stress zu begegnen. Dann befähige ich mich selbst, einen Ausweg aus der bedrohlichen Lage zu finden und dem Stress die Zähne zu ziehen.

 

Ich kann etwas bewirken, in meinem Leben und in meinem direkten persönlichen Umfeld. Ich kann in der Begegnung mit Menschen etwas bewirken. Ich kann Zuversicht und Vertrauen ausstrahlen. Ich kann zum Denken anregen und dazu, selbst zu entscheiden. Ich kann infrage stellen und andere behutsam motivieren, das auch zu tun. Ich kann wachrütteln oder beruhigen. Ich kann versuchen, zu verstehen.

 

Ich kann mich immer entscheiden. Im Gespräch kann ich verständnisvoll und liebevoll reagieren oder mit Wut und Aggression. Ich kann mitlaufen, mitschwimmen und meine Klappe halten. Ich kann aber auch im Rahmen meiner Mittel in den Widerstand gehen. Aufklären. Diskutieren. Argumentieren, nicht klaglos hinnehmen. Ich kann Menschen, die mehr Einfluß haben als ich auffordern, sich zu erklären. Zu erklären, warum sie mitmachen, mitschwimmen und ihre Klappe halten. Abgeordnete, Bürgermeister, Ärzte, Lehrer, Pfarrer und Pastoren. Warum lassen sie geschehen, was sie geschehen lassen mit den Menschen, für die sie Verantwortung übernommen haben? Es gibt viele Möglichkeiten, ins Handeln zu gehen. Jeder Mensch hat die Möglichkeit dazu. Wir haben die Möglichkeit zu entscheiden, uns so oder so zu positionen. Wir haben die Wahl, uns so oder so zu verhalten. Alles das ist natürlich leichter gesagt als getan.

 

Immer wenn ich mich hilflos fühle und gestresst bin durch Ohnmacht und Wehrlosigkeit, mache ich mir bewusst, dass ich es bin, der mein Leben bestimmt. Nicht die Politik, nicht die Gesellschaft, nicht die äußeren Umstände. Wenn es mir gelingt, zu spüren, dass ich mit meinen Gedanken das Glück meines Lebens beeinfluße, geht es mir gut. Dann bin ich nicht wehrlos. Dann bin ich nicht hilflos. Ich bin dann nicht das Opfer der Politik, der Mächtigen, der Eliten.

 

Ich bin dann ein selbst denkender, kluger, starker Mensch, der Verantwortung für sein eigenes Leben trägt.

 

Haben sie davor Angst, die scheinbar Mächtigen? Dass wir selbst denken könnten und Verantwortung tragen für unser Leben, bereitet ihnen das schlaflose Nächte? Dass es immer mehr werden, die das absurde Schmierentheater entlarven, treibt sie das um? Versuchen sie dagegen vorzugehen, ist es das, was verhindert werden soll? Dafür der ganze Aufwand, diese Farce, dieser Mummenschanz? Wie lächerlich das wäre...

 

Ich muss mich davon glücklicherweise nicht beeindrucken lassen. Ich habe ja die Wahl.

 

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