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Unerhörte Ansprache

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

wenn wir uns auf Augenhöhe - von Mensch zu Mensch - begegnen würden, dann würde ich Sie mit wohlwollender Neugier betrachten, mir Gedanken über Ihre Beweggründe und Befürchtungen machen. Ich würde mir Ihre Motive anschauen, ich würde versuchen, Ihre Überzeugungen zu erkennen und nachzuvollziehen, ich würde versuchen, Ihre Sorgen zu verstehen und Ihre Antriebsfedern. Ich würde Ihnen zugestehen, ein Mensch mit Stärken und Schwächen zu sein, so wie wir alle, und ich würde mich sehr darum bemühen, sie nicht zu beurteilen mit meinen eigenen Maßstäben. Ich würde Ihnen Ihre Maßstäbe lassen und versuchen, diese nicht zu kritisieren, ich würde mich sehr darum bemühen, Sie nicht zu verurteilen.

 

Wenn Sie meine Klientin oder Patientin wären, sehr geehrte Frau Dr. Merkel, dann würde ich auf Ihre abgekauten Fingernägel schauen, auf Ihre oft angespannte, manchmal geradezu verkrampft wirkende, aber dennoch eigentümlich zusammengesunkene Körperhaltung. Ich würde sehen, dass Ihre Augenstellung oft nicht mit der Haltung Ihres Kopfes zusammenzupassen scheint und die für mich eigenartig anmutende Mimik betrachten, die Sie gelegentlich abwesend, fast apathisch wirken lässt. Ich würde mich fragen, ob mein Eindruck zutrifft, dass Sie sehr unfrei wirken, angestrengt beherrscht, seltsam kontrolliert. Ich würde prüfen, inwieweit Sie mit Ihrer reduzierten Gestik und den oft kompliziert gedrechselten Aussagen versuchen, Ihre Gedanken zu verbergen. Und ob Sie sich darüber bewusst sind, wie offensichtlich unauthentisch das wirkt. Ich würde mich bemühen, mit Ihnen gemeinsam die Ausgangslage zu erfassen, Ihre Ziele und Wünsche zu verstehen und daraus den Auftrag für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit ableiten. Niemals würde ich mir anmaßen, Sie in Ihrem Sein zu kritisieren oder Ihre Persönlichkeit zu bewerten.

 

Sie haben sich allerdings, sehr geehrte Frau Dr. Merkel, viermal in das dritthöchste Amt der Bundesrepublik Deutschland wählen lassen und sind seit fünfzehn Jahren als Bundeskanzler die Chefin der Regierung dieses Landes. Von Augenhöhe oder Gleichberechtigung kann also keine Rede sein - im Gegenteil, größer könnten die hierarchischen Unterschiede kaum sein als zwischen uns.

 

Aus diesem Grund erlaube ich mir, Sie in Ihrem Handeln zu kritisieren. Nach meinen Maßstäben zu beurteilen, was Sie tun und was Sie nicht tun, was Sie sagen und was Sie nicht sagen. Zu verurteilen, was Sie in der langen Zeit Ihrer Machtausübung angerichtet haben. Deswegen maße ich mir an, Ihnen vorzuwerfen, dass Sie erst Ihre Partei und dann die freiheitlich demokratische Grundordnung komplett auf links gezogen, entkernt und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt haben. Dass Sie schließlich das ganz Land, die Gesellschaft, tief verunsichert und gespalten haben.

 

Deshalb erlaube ich mir, Ihnen zu schreiben, dass Sie mich anwidern mit Ihrer verschlagenen Art, politische Gegner unschädlich zu machen. Dass es mich anekelt, wie opportunistisch Sie Ihre politischen Positionen räumen, um Ihre Macht erhalten und weiterhin missbrauchen zu können. Wie Sie ideologische Konzepte adaptieren, um sich anzubiedern bei denen, die Sie im Aufwind vermuten. Wie Sie eigene Überzeugung nur heucheln und heute das Gegenteil von dem tun, was Sie gestern noch als klares Versprechen und unveränderliche Haltung präsentiert haben. Es ekelt mich zutiefst an, wie Sie mit zweierlei Maß messen, wenn es um die Einschätzung von Gewalttaten geht und wie Sie darauf reagieren. Wie Sie mit zweierlei Maß messen, wenn es um die Bewertung von Bürgerbewegungen, Demonstrationen und Opposition geht. Wie Sie Begrifflichkeiten wie Recht und Gesetz nach Gutdünken mal auf die eine und mal auf eine ganz andere Art interpretieren. Es ekelt mich an. Sie ekeln mich an.

 

Sie haben, Frau Dr. Merkel, zuletzt am 14. März 2018, diesen Eid geleistet:

 

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

 

Wenn ich mir diese Formel anschaue, diesen Schwur, den Sie ablesen mussten und bei dem Sie wohl deshalb Ihre typische - mir fast schon pathologisch erscheinende - Anomalie in der Koordination von Kopfbewegung und Augenstellung nur einmal ganz kurz haben erkennen lassen, dann frage ich mich, ob Sie überhaupt jemals verstanden haben, was Sie mit diesem Eid versprochen haben zu tun. Ob Sie jemals erfasst haben, dass Sie sich verpflichtet haben zu dienen in Ihrem Amt. Dass Sie dem deutschen Volk nutzen müssen, es zu schützen verpflichtet sind. Ob Sie Ihre Tätigkeit überhaupt jemals als Auftrag verstanden haben, für das deutsche Volk zu arbeiten, nicht gegen das deutsche Volk. Nicht gegen die Interessen der Menschen auf der Straße, die der kleinen Leute, gegen die Interessen von Lieschen Müller und gegen die Interessen von Otto Normalverbraucher. Es geht um das Wohl des deutschen Volkes.

 

Ich vermute, dass Sie es nie in dieser Art verstanden oder inzwischen vergessen haben: Dieses Amt ist eine Beauftragung. Wir, die Bürger dieses Landes, sind Ihr Auftraggeber. Wir, das Volk, sind der Souverän, Ihr Arbeitgeber. Sie haben zu dienen. Uns, den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Den Menschen, die den Laden am Laufen halten. Den Unternehmern, die mit ihrem privaten Vermögen im Risiko stehen, ebenso wie den angestellten Müllwerkern der Gemeinden. Sie haben zu dienen, den Beamten und den Hilfsarbeitern, den Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen. Den Pizzaboten und den Arbeitsuchenden, den Hochschullehrerinnen und den Polizistinnen. Den Handwerkern und den Dienstleistern. Sie haben für ihr aller Wohl zu sorgen, ihren Nutzen zu mehren, Schaden von ihnen zu wenden. Und das alles auch noch unter Wahrung des Grundgesetzes und der Bundesgesetze. Unter Ausübung von Gerechtigkeit gegen jedermann.

 

Diese Aufgabe ist eine schwere Last, vielleicht in ihrer Gesamtheit gar nicht zu bewältigen. Auch Ihre Vorgänger im Amt sind wohl teilweise daran gescheitert. Aber so fahrlässig wie Sie, Frau Dr. Merkel, ist noch niemand mit der Verantwortung umgegangen. Sie haben nicht nur versäumt, den Nutzen zu mehren und Schaden abzuwenden. Sie haben demontiert und geschliffen. Sie haben gegen das Wohl, gegen den Nutzen des deutschen Volkes und ohne jede Not außer Kraft gesetzt, verbogen und verbeult, schlicht und einfach kaputt gemacht, was notwendig ist, um eine Nation in ihrer Gesamtheit funktional zu halten. Sie haben erst die Identität und dann folgerichtig die Integrität dieses Landes zerstört. Sie haben auf dem Altar eines zentralistischen Europas erst die deutschen Interessen geopfert, um eine gescheiterte Währung künstlich am Leben zu erhalten, dann Europa aber erneut zwingen wollen, am deutschen Wesen zu genesen, um eine selbstzerstörerische Migration zu etablieren.

 

Weil Sie sich dem grünen Spektrum zur Adoption aufgezwungen und dadurch vom Wohlwollen der Medien abhängig gemacht haben, sind Ihre plan- und geistlosen Bemühungen in Hinsicht auf einen vollkommen aussichtslosen Kampf gegen einen Wandel des Klimas inzwischen alternativlos. Die vom Zeitgeist eben jener grünen Fantasten fabulierte Energiewende ist nicht nur gescheitert, sie droht das wirtschaftliche Rückgrat dieses Landes zu brechen. Und Sie, Frau Dr. Merkel, haben das zu verantworten. Sie haben ohne jede Not die Positionen des grünen Establishments gekapert und sich angewanzt bei denen, die als angebliche Voraussetzung für einen lebensfähigen Planeten eine gesellschaftliche Transformation anstreben. Gut sollen sie sein, die Menschen, moralisch und ökologisch und rein. Zu dieser Religion haben Sie inzwischen konvertiert, Sie sind Mitglied einer Sekte geworden, die ausschließlich zu zerstören und Luftschlösser zu bauen in der Lage ist. Eine Sekte, die den Menschen für unnatürlich, aber missionierbar hält und daraus einen Anspruch ableitet zu bevormunden und zu erziehen. Die mit jenem religiösen Eifer, der jeder Sekte eigen ist, Wahrheiten gestalten, Tatsachen leugnen und entsprechende Glaubensbekenntnisse verlangen. Sie verlangen Verzicht und E-Mobilität und den bedingungslosen Glauben an Windräder. Sie verlangen Verzicht und Diversität und den bedingungslosen Glauben an Gendergerechtigkeit. Sie verlangen Verzicht und ÖPNV und den bedingungslosen Glauben an CO2 als Ursache des menschengemachten Klimawandels. Und Sie, Frau Dr. Merkel machen da mit.

 

Dabei lassen die grünen Sektierer völlig außer Acht, was ihre Ahnen aus Umweltschutz- und Friedensbewegung völlig zutreffend erkannt und kritisiert haben. Dass nämlich alles Wirtschaften unbeabsichtigte Folgen hat und unerwünschte Nebeneffekte. Was früher als Problem erkannt und thematisiert wurde, beispielsweise Rohstoffgewinnung und Abfallentsorgung, spielt für die Enkel der 68er keinerlei Rolle mehr. Herstellung, Betrieb und Entsorgung von Windkraftanlagen wirft sicherlich viele Fragen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf. Aber nicht für die grünen Fantasten von heute. Wenn die Maßstäbe der berechtigten Proteste aus 80er und 90er Jahren heute noch angelegt würden, wäre beispielsweise auch eine heiße öffentliche Debatte im Gange über Sinn und Unsinn einer sehr problematischen Produktion und Entsorgung von Akkumulatoren für die viel gepriesene Elektromobilität. Aber darum geht es ja schon lange nicht mehr. Um den Schutz der natürlichen Umwelt. Es geht um eine Ideologie, eine grün lackierte sozialistische Gesellschaftsordnung, die angeblich zu besseren Menschen und damit zu einer angeblich besseren Welt führen soll.

 

Im Grunde wollen sie dabei nur ihre Ideen einer Lebensweise vorschreiben und alle anderen Ideen verbieten. Sie wollen das Gegenteil von Diversität, sie verlangen Unterordnung, bedingungslosen Glauben. Wer abweicht, wer frei und individuell sein möchte, anders oder unangepasst, der wird diffamiert und ausgegrenzt. Sie propagieren eine Weltsicht, die sie nicht zu leben bereit sind, denn wer nicht ihre Auffassung teilt, der muss bekämpft werden. Bis du nicht für sie, bist du gegen sie, wie bei allen anderen fanatischen religiösen Gemeinschaften. Und dazu gehört das entsprechende Glaubensbekenntnis.

 

Sie haben dieses Bekenntnis abgelegt, Frau Bundeskanzler, und dafür verachte ich Sie.

 

Sie haben sich das Vokabular dieser Sekte angeeignet, ihre Glaubenssätze übernommen und ihre Strategien zur Bevormundung der Bevölkerung. Sie agieren, als ob Sie eine neue, eben jene grün lackierte sozialistische Gesellschaft,  führen wollten. Wissen Sie, dass Spötter sie als die späte Rache Erich Honeckers bezeichnen?

 

Sie haben sich bewusst oder unbewusst vor einen Karren spannen lassen, den Sie nicht wieder loswerden können, selbst wenn Sie wollten. Sie haben in Ihrer Amtszeit vieles kaputt gemacht, aber nichts geschaffen. Es gibt keine funktionierende Hinterlassenschaft von Ihnen, nur abgelegtes, ausgesondertes, abgeschafftes. Kein Wirtschaftswunder, keine gelungene Entspannungspolitik, keine erfolgreiche Überwindung von Ölkrise und Terror, kein vereintes Deutschland, kein geeintes Europa, keine Agenda 2010. Sie, Frau Dr. Merkel, haben in fünfzehn Jahren nichts geschaffen, nur übernommen von den Vorgängern und von der Substanz gelebt. Sie haben nichts geschaffen, was von dauerhaftem Nutzen wäre für dieses Land, Sie haben nur aus kurzsichtigem Machterhalt heraus gehandelt, um unschöne Bilder zu vermeiden. Sie sind als Regierungschefin ein Totalausfall, sie regieren nicht, Sie reagieren. Auf alles Mögliche reagieren Sie, auf absurde Forderungen aus dem links-grünen Meinungskorridor, auf angebliche Gefahren, auf Videoschnipsel, auf Bilder, auf Erdbeben in Japan, auf Umfragen, auf Expertenmeinungen und jedes andere Stöckchen, das Ihnen die Medienmacher und Meinungsmanipulateure hinhalten.

 

Nur die tatsächlich erforderlichen Aufgaben, die Sie mit Ihrem Amtseid übernommen haben, werden nicht erledigt. Die werden ignoriert oder vernachlässigt. Sie demontieren Staat und Gesellschaft, Frau Dr. Merkel, seit fünfzehn Jahren.

 

Es ist zum Heulen.

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