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Ungenauigkeiten

Ich beschäftige mich nun seit einigen Monaten sehr intensiv mit der Situation in unserem Land, ein wenig auch mit der im Rest der Welt. Ich vergleiche Zahlen, Statistiken, Kurven und Diagramme. Ich lese Artikel, Aufsätze, Kommentare und Studien. Ich versuche, Informationen und Berichte möglichst aus allen politischen Richtungen, mit allen gesellschaftlichen Standpunkten und mit allen medizinischen Argumenten, mit allen Blickwinkeln und mit allen Hintergründen zu erhalten, um die unterschiedlichen Bewertungen und Einschätzungen kennenlernen und verstehen zu können.

 

Das ist eine zeitraubende Arbeit, ich verbringe viele Stunden damit, zu überfliegen, einzuordnen und zu bewerten, was lesenswert sein könnte, was ich schon kenne, was so schon länger bekannt ist, was neu und was zu vernachlässigen ist. Dabei hat sich meine persönliche Vorgehensweise bewährt, selbst zu denken, zunächst alles anzuzweifeln, niemanden zu glauben, keine Quelle als pers se vertrauenswürdig anzusehen, denn auch und gerade in Sachen Corona haben sich Standpunkte und Tendenzen, Überzeugungen und Darstellungen zum Teil erheblich verändert. Haben einige Quellen den Virus zunächst für extrem gefährlich gehalten und andere für völlig unerheblich, haben sich bei so manchem Medium die Haltung und damit das Framing um 180 Grad gedreht - zum Teil innerhalb weniger Tage.  So galten bei vielen Medien anfangs noch die Leute, die vor enormen Gefahren durch einen neu- und bösartigen Virus warnen wollten, als rechte Verschwörungstheoretiker, esoterische Spinner oder Aluhütte. Kurz danach waren die Leute, die den Virus als weniger bedrohlich einschätzen und eine pandemische Gefahr für die Menschheit bestritten, rechte Verschwörungstheoretiker, esoterische Spinner oder Aluhütte.

 

Die Veränderungen der medialen Aufbereitung geschahen ebenso schnell wie die der Einschätzungen unser Politiker, sozusagen im Gleichschritt mit den Verlautbarungen der scheinbar Mächtigen. Zunächst noch gewohnheitsmäßig beruhigend und eher verharmlosend auf die geringe Gefahr und das grundsolide deutsche Gesundheitswesen verweisend, also eher im bis dato typischen Modus eines "kein Grund zur Sorge, weiter so" der Regierenden, schwenkte die öffentliche Meinung ziemlich plötzlich und unerwartet kraftvoll um. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Virus gefährlich, eine Bedrohung für die Volksgesundheit, eine Herausforderung für die Menschheit, eine Prüfung unserer Solidarität und unseres Verantwortungsgefühls. Aus welchen Gründen auch immer, wir hatten plötzlich die Corona-Krise.

 

Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Ändern sich die Umstände, die Erkenntnislage oder die Zielvorgaben, wäre es ja fahrlässig, so weiterzumachen wie bisher. Wenn sich die Datenlage erheblich ändert und deshalb die potenziellen Gefahren neu bewertet werden müssen, wäre es ja vollkommen irrational, das zu ignorieren. Wenn sich ethische Grundlagen oder gesellschaftliche Notwendigkeiten ändern oder im demokratischen Konsens neue Ziele ergeben, dann ist es ja gerade Aufgabe der Regierenden, das bisherige Verhalten zu überprüfen und gegebenenfalls die Vorgehensweise anzupassen. Insoweit war es vor Beginn der "Pandemie" sicherlich geboten, Panik zu vermeiden. Und mit dem Entstehen der "Pandemie" war es sicherlich geboten, die Bevölkerung zu schützen. Keine Einwände von meiner Seite. Das eigene Verhalten zu überprüfen, die eigenen Überzeugungen infrage zu stellen, die Vorgehensweisen zu verändern, wenn erforderlich - das alles halte ich für sehr schlau und bei einer verantwortungsvoll agierenden Regierung für zwingend notwendig.

 

Allerdings hat mich die Geschwindigkeit und die Art und Weise des Umschwenkens schon damals irritiert. Praktisch über Nacht wurde aus einem "gut aufgestellten" Gesundheitssystem ein potenziell überfordertes Gesundheitssystem. Aus "nicht notwendigen Schutzmasken" wurden quasi über Nacht zwingend vorgeschriebene Mund-Nase-Bedeckungen. Die Liste der kurzfristigen Meinungsänderungen ist lang und mich stört auch nicht, dass sich die Meinungen geändert haben. Mich stört, dass keine Diskussion stattgefunden hat, und zwar weder vor der jeweiligen Meinungsänderung, noch danach. Mich störte damals wie heute, dass wir erst ausschließlich die eine Meinung hinzunehmen haben und dann ausschließlich die andere. Ohne dass es darüber in der Öffentlichkeit wahrnehmbar einen Austausch gegeben hätte. Einen Disput der Fachleute. Einen Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition. Nichts dergleichen habe ich wahrgenommen in den Medien, in der Politik. Keine wissenschaftliche Streitigkeit, kein Erkenntnisgewinn durch andere Perspektiven. Keine Erörterung von Für und Wider, kein Abwägen von Notwendigkeiten und Verhältnismäßigkeit. Ich habe vor der Meinungsänderung nur verharmlosendes Abwarten und nach der Meinungsänderung nur für alternativlos erklärten Aktionismus beobachtet.

 

Das mag dem zweifellos vorhandenen Zeitdruck geschuldet sein. Vielleicht hatten wir schlicht keine Zeit für parlamentarische Debatten. Vielleicht hatten wir im März 2020 keine Zeit für endlose Kaffeekränzchen mit Meinungsaustausch. Vielleicht war es nicht möglich, ausführlich zu erörtern. Mag sein. Aber keine Zeit zu haben bedeutet ja nicht zwangsläufig, den Diskurs zu unterbinden. Keine Zeit zu haben bedeutet ja nicht, öffentliche Überlegungen zu Diskussionsorgien zu erklären und die Protagonisten zu diskreditieren. Keine Zeit zu haben bedeutet ja nicht, Andersdenkende zu diffamieren. Keine Zeit zu haben muss ja nicht bedeuteten, Andersdenkende in der Öffentlichkeit mundtot zu machen.

 

Mich hat das irritiert und misstrauisch gemacht. Ich dachte ja zunächst, dass unsere Regierungen die Entwicklung verschlafen würden. Ich dachte, dass - wenn der Virus wirklich gefährlich sein sollte - wir viel früher die Flughäfen überwachen hätten sollen. Wir viel früher die notwendigen Maßnahmen hätten ergreifen müssen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern oder wenigstens zu verlangsamen. Wir viel früher hätten die Infektionsketten verfolgen müssen und Großveranstaltungen untersagen. Ich dachte ja zunächst, dass - wenn wir es mit einer Pandemie zu tun bekämen - unsere Regierungen "mal wieder" die Wirtschaftsinteressen vor die Gesundheit der Bevölkerung stellen und "mal wieder" lügen und verharmlosen, um nicht die erforderlichen Maßnahmen ergreifen zu müssen. Als die Regierungen dann tätig wurden, dachte ich, dass das alles zu spät und unzureichend wäre, wenn der Virus so verheerend wäre, wie damals von mir befürchtet.

 

Als ich aber immer deutlicher bemerkte, dass in der veröffentlichen Meinung nur ein einziger Experte zu Wort kam und andere Experten durchaus Zweifel zu äußern bereit waren, diese aber nicht gehört wurden, hat mich das erst irritiert und dann misstrauisch gemacht. So habe ich mich wieder einmal auf die Suche nach der "Wahrheit" gemacht und angefangen, auch alternative Medien zu durchforsten. Ich habe angefangen, die veröffentliche Meinung zur Wahrheit zu hinterfragen, so wie ich das einst bei den Anschlägen des 11. September 2001 getan habe. Weil ich irritiert war und misstrauisch wurde. Weil ich eine eigenartige Diskrepanz erlebte zwischen meinen Eindrücken und Wahrnehmungen auf der einen Seite und den Versuchen, mir das Gegenteil meiner Wahrnehmungen und Eindrücke als die einzig richtige, die einzig mögliche Sicht auf die Dinge zu vermitteln. So habe ich mich mal wieder an die Arbeit gemacht, herauszufinden, was denn eigentlich "wahr" ist. Und ganz ähnlich wie bei "Nine-Eleven" ist es sehr schwer, herauszufinden, was wahr ist. Erheblich leichter ist es, herauszufinden, was nicht wahr ist.

 

Sowohl beim World-Trade-Center als auch bei Covid-19 glaube ich inzwischen zu wissen, was nicht wahr ist. Das bedeutet nicht, zu wissen, was wahr ist, im Gegenteil. Ich hüte mich davor, eine Erklärung für zutreffend, eine Realität für existent, eine Wahrheit für wirklich zu halten. Ich kann nicht wissen, was wahr ist. Ich kann lediglich in gewissen Grenzen wissen, was nicht wahr ist. Auch hier gibt es leider keine absolute Gewissheit, aber eine Unwahrheit zu identifizieren ist viel einfacher, als die Wahrheit zu erkennen. Und so bleiben viele Ungewissheiten, aber manches lässt sich doch mit Gewissheit sagen. Mit Gewissheit glaube ich sagen zu können, dass die drei Gebäude des WTC am 11. September 2001 nicht wegen der in ihnen wütenden Brände eingestürzt sind. Das bedeutet zwar nicht, dass ich wüsste, was passiert ist, ich kann aber mit Gewissheit sagen, dass die offiziellen Berichte der US-Regierungsbehörden die Wahrheit nicht zutreffend oder nicht vollständig zutreffend wiedergeben.

 

Und so ähnlich verhält es sich mit SARS-Cov-2 und der von ihm ausgelösten Erkrankung Covid-19. Ich weiß das allermeiste nicht, ich kann sehr vieles gar nicht beurteilen. Ich weiß nicht, wer lügt und wer die Wahrheit sagt, ich kann nichts zu den Motiven oder Absichten der Protagonisten sagen, ich lese und höre und sehe sehr viel und weiß doch im Grunde gar nichts. Aber es gibt da so bestimmte Hinweise, die ich nicht ignorieren kann.

 

Beispielsweise die Frage, ob die offiziell als "Covid-19-Tote" gezählten Verstorbenen tatsächlich dem Virus zuzuordnen sind. Da werden vom RKI Zahlen veröffentlicht, die keine Aussagekraft haben, weil ein Ursache-Wirkungszusammenhang gar nicht untersucht, noch nicht einmal zwingend unterstellt wird. Das RKI selbst sagt, dass es einen Verstorbenen mit der Infektion als Corona-Todesfall zählt, auch wenn die Todesursache eine andere ist oder sein könnte. Damit zählt das RKI also alle Todesfälle, bei denen der Virus nachgewiesen wurde, als Corona-Tote. Dabei muss diese Infektion noch nicht einmal eine Krankheit ausgelöst haben, auch Unfalltote würden mit dieser Definition zu Corona-Toten, wenn sie infiziert waren. Ich brauche gar nicht zu überlegen, ob es stimmt, dass ein positiver Test eine Infektion bedeutet, die Zuverlässigkeit und Aussagekraft der PCR-Tests sind ja ebenfalls Gegenstände heftigster Kritik. Nein, auch wenn ich annehmen wollte, dass die Tests die Aussage ermöglichen, dass infiziert ist, wer positiv getestet wurde, stimmen die Todesfallzahlen des RKI nicht. Das ist nicht die "Wahrheit". Das kann so gar nicht stimmen.

 

Wenn wir den Aufwand, alle Todesursachen ganz genau festzustellen, nicht betreiben wollen oder können - warum veröffentlicht dann das RKI täglich die Zahl der "Corona-Toten"? Und verwendet dabei Formulierungen wie "an oder mit Corona" und neuerdings auch "im Zusammenhang mit Corona"? Ich weiß nicht, warum das RKI das tut und ich weiß nicht, welche Zahlen wahr sind. Aber ich weiß, dass die täglich durch alle Medien verbreiteten Corona-Todesfallzahlen nicht der Wahrheit entsprechen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass ich weiß, was nicht wahr ist: Die jeden Tag von allen Qualitätsmedien veröffentlichten offiziellen Todesfallzahlen stimmen so nicht.

 

Nun ist das nicht die einzige Unwahrheit, die uns als Wahrheit oder Gewissheit oder Fakt vermittelt wird. Aber es ist eine Unwahrheit, die man zu bestimmten Zwecken nutzen kann. Wenn man so tut, als würden 500 oder 600 Menschen pro Tag an Covid-19 sterben und dabei verschweigt, dass in Deutschland jeden Tag durchschnittlich ungefähr 2.600 Menschen sterben und ein Teil der als Covid-19-Toten definierten gar nicht ursächlich an Covid-19 gestorben ist, sondern lediglich positiv getestet wurde und wenn man verschweigt, dass die Todesfallzahlen in Deutschland bisher im langfristigen Vergleich keine besonders auffällige Übersterblichkeit aufweisen, dann kann mit den täglich veröffentlichten Zahlen Verunsicherung oder sogar Angst erzeugen. Vielleicht glauben die scheinbar Mächtigen ja in bester Absicht, genau dies tun zu müssen. Angst verbreiten, damit die Bevölkerung nicht leichtsinnig wird, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, warum das so verbreitet wird.

 

Aber es ist nicht die Wahrheit.

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