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Simpelhausen in Panik

Wenn in einer Stadt jedes Jahr durchschnittlich 1.000 Menschen sterben und davon ungefähr 60 Todesfälle beispielsweise auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen sind, könnte es ein Grund zur Sorge sein, wenn plötzlich ein neuer Krankheitserreger gefunden wird, der eine Atemwegserkrankung bewirken und tödlich sein kann.

 

Wenn an diesem Erreger dann tatsächlich 55 Menschen sterben, ist das nicht nur für die Betroffenen und die Familien bedauerlich, es könnte auch ein erheblicher Einschnitt für die Stadt aus diesem Tatbestand abgeleitet werden, etwa umfangreiche Schutzmaßnahmen und enorme finanzielle und organisatorische Herausforderungen von bis dato unbekannten Ausmaß.

 

Wer die 55 Toten in den Vordergrund rückt, erkennt dann vielleicht nicht mehr, dass in diesem Jahr die Gesamtzahl der Verstorbenen gar nicht deutlich angestiegen ist und die Zahl der Todesfälle durch andere Atemwegserkrankungen signifikant zurückgegangen ist.

Wer die Zahl von 55 Toten isoliert betrachtet, der könnte panisch bleiben und weiterhin das Schlimmste für die Stadt befürchten. Der könnte sich in immer mehr und immer härtere Maßnahmen hineinsteigern, um diese Todesursache in den Griff zu bekommen.

 

Wer hingegen sachlich auf die Zahlen schaut und sich mit Fachleuten berät, könnte erkennen, dass die Zahl der Toten durch den Erreger fast genau der Zahl der sonst an anderen Atemwegserkrankungen Verstorbenen entspricht und nur 2 oder 3 zusätzliche Tote zu beklagen sind.

 

Auch diese 2 oder 3 Toten wären ein Anlass zur Trauer, selbstverständlich. Es gäbe keinen Grund, zu verharmlosen oder zu verdrängen und dann sorglos und unbekümmert weiterzumachen, wie bisher.

 

Aber das genaue Hinsehen ohne Dramatisierung würde vielleicht die Notwendigkeit der enormen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen unbekannten Ausmaßes relativieren und für weniger Stress, für weniger Aktionismus und für weniger Panik sorgen können.


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