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Stolz

Wenn ich einen Großvater gehabt hätte im Kaiserreich, der sich der allgemeinen Kriegsbegeisterung 1914 widersetzt und sich gegen die fanatische Kriegstreiberei von Wilhelm II. ausgesprochen hätte, ich würde ihn bewundern.

 

Wenn ich einen Vater im Dritten Reich gehabt hätte, der sich nicht hätte vereinnahmen lassen von Propaganda, Angst und Massenpsychose, der aufrecht und ehrlich geblieben wäre und sich schützend vor die Verunglimpften und Verfolgten gestellt hätte, ich würde ihn bewundern.

 

Wenn ich eine Cousine in der DDR gehabt hätte, die sich in der Bürgerbewegung engagiert und einen Beitrag dazu geleistet hätte, das kriminelle Regime nach 40 Jahren Unfreiheit und Unterdrückung zu stürzen, ich würde sie bewundern.

 

Meine Vorfahren und Verwandten, die sich niemals unterdrücken ließen, die immer zu ihren Werten standen und in ihrer Würde blieben und dabei Wohlstand, Karriere oder sogar Leben riskierten, würde ich bewundern.

Eine Kirche, die zu ihren Gemeinden steht, die die Menschen in Schutz nimmt vor staatlichen Repressalien und Tyrannei, eine Kirche, die sich stark macht für die Interessen der Menschen und nicht für die Regierung, würde ich anerkennen.

 

Eine Presse, die informieren will und aufklären, die ihren Auftrag wahrnimmt und Transparenz und Kontrolle durchsetzt; Journalisten, die nicht das Wohlwollen der scheinbar Mächtigen suchen, sondern die Wahrheit; Medien, die nicht ungeprüft Vorgekautes verbreiten, sondern selbst recherchieren, würde ich respektieren.

 

Am Ende meines Lebens wäre ich zufrieden, wenn ich immer für die Menschenrechte und die Freiheit eingetreten wäre, wenn es darauf ankam. Wenn ich mich eingesetzt hätte für die Demokratie und die Selbstbestimmung, für freie Wahlen und die Andersdenkenden, als es darauf ankam. Wenn ich für Menschlichkeit und Wahrheit gekämpft hätte, als ich gefordert war, es zu tun.


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