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Das Jahr ist voll

Heute vor einem Jahr, am 15. Mai 2020, habe ich damit begonnen, meine Sorgen, meine Ängste und Befürchtungen zu sortieren, zu betrachten und schriftlich niederzulegen. Ich spürte, dass ich vom Staat zu einem Objekt gemacht werden sollte und dass die Medien dabei nicht nur willfährig Schützenhilfe leisteten, sondern zumindest teilweise sogar eine sehr aktive Rolle zu übernehmen bereit waren. Ich wollte und ich will nicht zum Objekt gemacht werden, ich will ein Subjekt sein und ich möchte ein Subjekt sein dürfen. Die offenkundigen Versuche, mich zu manipulieren und zu indoktrinieren, die dreisten Manöver, um mich zu verängstigen und mich zu instrumentalisieren, haben vor einem Jahr zu erheblichen Misstrauen geführt. Misstrauen gegenüber unseren Regierungen und insbesondere weiteres und wachsendes Misstrauen gegenüber den Medien.

 

Ich denke auch aus heutiger Sicht, dass dieses Misstrauen in jeder Hinsicht gerechtfertigt ist. Unabhängig von inhaltlichen Veränderungen und Schwerpunkten, ohne Berücksichtigung von sachlichen Erkenntnissen, ohne dass ich mich auf nur eine Betrachtungsweise festlegen könnte - nur die Art der öffentlichen Darstellung dieser "Pandemie" durch Politik und Medien, also allein wie die Kommunikation gestaltet wird, macht mich - ohne genauer auf das eingehen zu müssen, was kommuniziert wird - immer noch und immer wieder aufs Neue und immer weiter zunehmend misstrauisch.

 

Es ist vollkommen klar, dass man die Dinge auf mindestens zwei Arten kommunizieren könnte. Nehmen wir A und Z, lassen wir einmal das restliche Alphabet zunächst noch völlig außer Acht. Es gäbe die Möglichkeit, A zu kommunizieren und die Möglichkeit, Z zu kommunizieren. Wenn nahezu völlig gleichlautend von allen maßgeblichen Medien A kommuniziert wird und das nahezu völlig deckungsgleich mit den Verlautbarungen der Regierung, dann macht mich das misstrauisch. Denn wenigstens ein paar Fachleute, eine kleine Runde von Intellektuellen, einige wenige Abgeordnete der sogenannten Opposition oder wenigstens einzelne Kommentatoren könnten ja auch auf die Idee kommen, Z kommunizieren wollen.

 

Wenn wenigstens ab und zu mal ein Vertreter von Z gefragt werden würde, wie er denn zu der "abseitigen" Meinung käme, die ihn Z kommunizieren lässt, wäre das ein Anhaltspunkt dafür, dass doch noch nicht alle Medien "gleichgeschaltet" sind. Wenn aber die Meinungsvielfalt darin besteht, gelegentlich mal jemanden A statt A sagen zu lassen und die Ausgewogenheit darin besteht, auch mal einen A-Kommunikator zu Wort kommen zu lassen, dann bleibt auch das immer noch ein A.

 

Dieses A besteht zurzeit darin, dass wir es mit einem sehr gefährlichen Virus zu tun haben, das wir nur durch Impfung besiegen können und das wir durch eine Impfung zu besiegen haben. Das steht seit Mai 2020 im Haushaltsgesetz und da helfen auch keine Pillen. Basta. Punkt. Sehr gefährlich, sehr ansteckend, viele Tote, Impfung. Basta.

 

Wenn alle Medien dasselbe berichten, muss es wahr sein - denkt der Westdeutsche.

Wenn alle Medien dasselbe berichten, kann es nicht die Wahrheit sein - denkt der Ostdeutsche.

 

Die andere Betrachtungsweise Z könnte beispielsweise hingegen sein: Ein nur für sehr wenige Menschen gefährliches Virus, eine beherrschbare medizinische Herausforderung mit moderaten Todeszahlen, derartige Gefahren gab es schon immer, solche Viren lassen sich niemals endgültig besiegen, es gibt inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten, kein Grund zur Panik, kein Grund, völlig überhastet die gesamte Bevölkerung unbekannten und unabsehbaren Risiken durch Impfung auszusetzen.

 

Mon dieu! Was habe ich da nur gerade gedacht?! Und dann auch noch aufgeschrieben, unfassbar! So etwas soll man denken können und diskutieren dürfen in einer pluralistischen und freien Gesellschaft, in einer Demokratie - also zumindest rein theoretisch? Nein, also sowas... so etwas darf man nicht doch nicht denken, das verhöhnt doch die Toten und die vielen Menschen auf den Intensivstationen!

 

Und dann wären da ja auch noch B bis Y und b bis y, also eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, das Problem zu betrachten und - Achtung: - alternative Vorgehensweisen vorzuschlagen.

 

Es findet aber in unserer Medienrealität fast immer nur die eine Erzählung, nämlich A, statt - hin und wieder in Varianten. Aber auch A, A, A und A, sogar a bleiben dabei immer: Sehr gefährlich, sehr ansteckend, viele Tote, Impfung. Basta. Sehr wenige Ausnahmen durchbrechen kaum noch wahrnehmbar diese Regel.

 

Ohne über Motive und Ursachen dieser Erzählung Bescheid wissen zu können, Misstrauen bleibt angebracht. Denn wenn mir jemand so offensichtlich unvollständig, so offensichtlich undifferenziert, so offensichtlich einseitig, so offensichtlich manipulativ erzählen will, dass es nur diese eine akzeptable Sicht der Dinge gibt, geben kann, geben darf - dann brauche ich mir das was nicht mehr anzuschauen. Das wie reicht dann völlig für eine gehörige Portion Misstrauen aus.

 

Deshalb gilt für mich weiterhin und uneingeschränkt das vor einem Jahr Gedachte und Geschriebene:

 

Um meine Würde zu wahren versuche ich mich nicht manipulieren zu lassen. Nicht von denjenigen, die – warum auch immer – Angst oder sogar Panik verbreiten wollen. Nicht von den denjenigen, die – warum auch immer – verharmlosen oder relativieren wollen. Nicht von denjenigen, die alles für eine Verschwörung halten, für einen Hoax oder für die Vorbereitung einer neuen Weltordnung. Nicht von denjenigen, die den Untergang der Menschheit prophezeien oder das Ende der Welt.

 

Um meine Würde zu wahren denke ich selbst. Ich höre auf das, was mir Leute erzählen, die mehr von den Dingen verstehen als ich, aber ich denke selbst. Ich höre und lese, was gesagt und geschrieben wird und wäge die Argumente ab. Ich überlege, wer welche Interessen wohl vertreten mag und mit welcher Intention bestimmte Äußerungen gemacht werden und warum manche Dinge verschwiegen werden. Ich versuche alles zu hinterfragen und nichts zu glauben, wenn es öffentlich verbreitet wird. Ich denke selbst, um mich nach Möglichkeit nicht instrumentalisieren zu lassen.

 

Um meine Würde zu wahren achte ich auf meine Ängste und meine Bedürfnisse und versuche, nicht die Ängste und Bedürfnisse anderer Menschen zu übernehmen. Ich achte auf meine Intuition und meine eigenen Impulse und versuche, nicht andere Menschen zu imitieren.

 

Um meine Würde zu wahren stehe ich zu meinen Überzeugungen und Werten und versuche sie zu leben – unabhängig von den äußeren Umständen. Ich denke selbst und mache mir bewusst, dass alle meine Gedanken das Ergebnis von Wahrnehmungen, Erinnerungen, Erfahrungen und kognitiven Verzerrungen sind. Ich mache mir bewusst, dass mein Denken beeinflusst ist und meine Würde mir niemals genommen werden kann.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Marina (Dienstag, 01 Juni 2021 19:26)

    Lieber Wolfgang,
    da sprichst Du mir aus der Seele, aus dem Herzen und mit meinem Würdebewusstsein. Thanx
    Liebe Grüße Marina

  • #2

    Wolfgang (Freitag, 04 Juni 2021 08:21)

    Vielen Dank für dein freundliches Feedback, liebe Marina. Und wie schön, auf diese Weise von dir zu hören...